Temu sorgt seit Monaten in Europa für Furore – mit Preisen, die, um es ganz klar zu sagen, keiner normalen Marktlogik entsprechen. Und in der Schweiz sorgt das Unternehmen bereits auf politischer Ebene für Stirnrunzeln.
Das Schweizer Parlament hinterfragt derzeit einige ziemlich schwerwiegende Punkte. Zum einen geht es um Transparenz bei Preisen und Geschäftspraktiken: ständige Rabatte, künstlich erzeugte Dringlichkeit à la „nur noch 3 Stück verfügbar“ und eine sehr aggressive Strategie, um den Konsum anzukurbeln. Für jeden, der die App schon einmal geöffnet hat, ist das nichts Neues, aber wenn es um Verbraucherschutz geht, ist das mehr als nur ein Ärgernis.
Auf der anderen Seite gibt es das heiklere Thema: Produktionsbedingungen und unlauterer Wettbewerb. Schweizer und europäische Unternehmen kritisieren seit Langem, dass Plattformen wie Temu zu unhaltbaren Preisen verkaufen können, weil sie nach Standards arbeiten, die hier keine Zulassung finden würden. Einfach ausgedrückt: Wenn man nach anderen Regeln konkurriert, konkurriert man nicht, sondern dominiert den Markt.
Und dann ist da noch der Schweizer Klassiker: das Steuerwesen und die Kontrolle. Viele dieser Produkte werden in kleinen Paketen verschickt, oft unterhalb bestimmter Schwellenwerte, was die Zollkontrolle und die Erhebung der Mehrwertsteuer erschwert. Das Ergebnis: ein Wettbewerbsvorteil gegenüber lokalen Händlern, die sich buchstabengetreu an alle Vorschriften halten.
Das bedeutet nicht, dass Temu morgen verboten wird. Aber es bedeutet, dass wir uns in einer Phase befinden, in der die Schweiz das tut, was sie am besten kann: regulieren, wenn ihr etwas aus den Händen gleitet. Und normalerweise ist es so, dass das Schweizer Parlament sich erst dann eingehend mit einer Sache befasst, wenn das Thema bereits so groß geworden ist, dass man es nicht mehr ignorieren kann.
Die Moral von der Geschichte: Sehr niedrige Preise haben immer ihren Preis. Manchmal zahlt ihn nicht der Käufer … aber irgendjemand zahlt ihn.
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